230V Stromversorgung an Einsatzfahrzeuge

Mitte der 80er Jahre: eine RTW-Besatzung wäscht den RTW in der Waschhalle. Da weitere Fahrzeuge dort gewaschen werden sollen, fahren sie zur Fahrzeughalle zur weiteren Bearbeitung. Ein Kollege beginnt sofort mit dem Fensterleder das Trocknen der Karosse, der Fahrer steckt den 230Volt-Versorgungstecker ins Auto....
Ich fahre nicht fort, zu traurig, es gab damals mehrere Artikel in den Fachzeitschriften dazu.

Nicht nur in NRW wurde eine Dienstanweisung herausgegeben, die auch meiner Dienststelle durch den Kreisdirektor zugestellt wurde. Bis Ende April 86 mussten auf Grund dieses Unfalles alle RTW´s entsprechend der Anleitung umgebaut werden.
Als Elektromeister schauderte es mir bei den Vorgaben, insbesondere da ich schon RTW´s der Nachbarstädte im umgebauten Zustand gesehen hatte.
Nach längerem Heckmeck auf der Dienststelle (ich war ja schließlich nur Feuerwehrmann und kein Brandmeister bzw. höher) durfte ich endlich mit dem Auftraggeber telefonieren. Was sich aber als äußerst schwierig herausstellte, denn die Dienstanweisung kam von gaaaanz oben!
Aber ich blieb am Ball und hatte dann endlich Erfolg. Nach einem sehr freundlichen Gespräch, bei dem ich meine Bedenken vorbrachte und auch meinen Ausbildungsstand kundtun durfte, wurde mir mündlich die Erlaubnis erteilt, die RTW´s meiner Dienststelle entsprechend meiner Vorschläge umzubauen. Auf meine Frage, ob ich denn noch etwas schriftlich erhalten würde, wurde lediglich geantwortet, dass meine Vorgaben jetzt Fakt sind und ich ja wüsste, mit wem ich grade spreche.
Upps.
Die Arbeiten an allen RTW´s unserer Dienststelle wurden durchgeführt.

Irritiert war ich schon, dass an der Landesfeuerwehrschule die TÜD-Mannschaft bei Abnahme unseres  NEF meinen Namen kannten und mit mir elektrotechnische Probleme besprachen. Ich wusste aber nicht wieso.

2001 rief die Feuerwehr einer großen Nachbarstadt an und fragte nach Details für den RTW-Umbau. Ich verstand nur Bahnhof. Es dauerte mehrere Minuten, bis ich endlich wusste, dass es eine Dienstanweisung für den ordnungsgemäßen Einbau von 230-Volt-Stromversorgung in Rettungsdienstfahrzeuge gibt, versehen mit dem Hinweis, bei Problemen oder Fragen dazu mit mir Kontakt auf zu nehmen.

Da es danach noch mehrfach zu Anfragen kam, hier nun eine detaillierte Beschreibung, wie der Einbau von 230V in Einsatzfahrzeuge durchzuführen ist!

Als erstes widmen wir unser Augenmerk auf die direkte Stromzuführung zu unserem KFZ. Ein Sicherungskasten (Kleinverteiler, transparenter Deckel) sollte am besten links vom Tor, für den Fahrer erreichbar und einsehbar montiert sein. Darin sollte sich ein so genannter Personenschutzautomat für nur dieses einzige Fahrzeug befinden. Dieser Automat besteht in Wirklichkeit aus einer mechanischen Kombination aus Sicherungsautomat (16A) und Fehlerstromschutzschalter (30mA). Natürlich muss dieser Personenschutzautomat in einer dafür zugelassenen elektrischen Umgebung ordnungsgemäß angeschlossen sein, insbesondere der Erdanschluss ist wichtig!
Sollte also ein Strom größer als 16 A infolge eines Kurzschlusses fließen, würde der Leitungsautomat auslösen. Und würde zwischen den beiden Stromleitenden Drähten eine Stromdifferenz von mehr als 30mA auftreten, dann würde der Fehlerstromschutzschalter auslösen. Da beide mechanisch miteinander verbunden sind, ist im Auslösefall gewährleistet, dass die Stromführenden Leitungen vom Netz getrennt werden. Lediglich der Schutzleiter (grün/gelb) darf nicht getrennt sein und muss immer anliegen!

Von diesem Stromkasten wird dann eine zugelassene Gummileitung 3x2,5mm² mit einer 16A-CEE-Caravan-Kupplung (blau) zum Fahrzeug geführt. Zumeist hängt diese Leitung mittels einer Halterung von der Decke herab, damit es im ausgesteckten Zustand niemals auf den nassen Hallenboden fallen kann und auch dem Fahrer das „Auffinden“ erleichtert wird. Teilweise ist auch noch für die Großfahrzeuge an dieser Deckenhalterung eine externe Drucklufteinspeisung vorhanden.


Nun folgt der schwierigere Teil. Ein CEE-Caravan-Einbaugerätestecker ist sinnigerweise im Bereich des Fahrers an der Außenhaut des KFZ zu finden. An diesem wird dann die Elektroleitung angeschlossen, die innerhalb des KFZ auch auf einen Schaltkasten geht. In diesem Schaltkasten können weitere Sicherungsautomaten sein. Einen Fi-Schutzschalter hier einzubauen würde nichts bringen. Denn bei dem Anfangs geschilderten Vorfall hätte dieser Schutzschalter nichts bewirkt! Und sollte tatsächlich ein Defekt innerhalb des Fahrzeuges auftreten, würde der Personenschutzautomat auslösen, denn der Fehlerstrom würde dann vom Gerät über den Mensch zur Karosse fließen. Somit wäre also ein Fehlerstrom für den Fi erkennbar.
Zur weiteren Sicherheit ist es erforderlich, eine Startsperre einzubauen, damit bei eingestecktem Stecker sichergestellt ist, dass das Fahrzeug nicht gestartet werden kann. Denn sonst wäre ggf. ein Abriss der Kabel möglich. Zusätzlich sollte eine auffällige Lampe (LED) signalisieren, dass der Stecker noch gesteckt ist! Gleichzeitig kann man damit überprüfen, ob Spannung anliegt.
Mittlerweile gibt es Auswurf-Steckdosen, die beim Startvorgang den CEE-Stecker automatisch auswerfen können. Als Beispiel ist die Rettbox von ISV genannt. Die gibt es auch mit 230V und Druckluftanschluß z.B. für Löschfahrzeuge. Aber auch andere Hersteller sind möglich!
Allerdings gelten im KFZ andere Regeln, denn die verwendeten Leitungen müssen ölfest,  unbrennbar und mechanisch stabil sein! Der Schutzleiter muss mit mindestens 6mm² an den gemeinsamen Massepunkt des KFZ geführt werden! Bei der Verlegung innerhalb eines Geräteraumes ist die Leitung durch ein Schutzrohr zu verlegen. Hier empfiehlt sich gegebenenfalls die Montage einer Kontrolllampe direkt an der Verbrauchersteckdose, um das Vorhandensein von Spannung (z.B. Generatorbetrieb beim Feuerwehrfahrzeug)  auch optisch signalisiert zu bekommen.  Der Abstand einer Steckdose zu einem Waschbecken (RTW) sollte mindestens 50cm betragen, wobei im RTW kein Wasserdruck vorhanden ist. Alle Steckdosen sind mechanisch so zu montieren, dass der raue Betrieb im Einsatz keine Schäden hinterlassen kann. Insbesondere im RTW sollten Steckdosen nicht zu tief  (feuchtes durchwischen) montiert werden. Sowohl auf Putz als auch unter Putz Montagen sind zulässig unter Berücksichtigung der besonders harten mechanischen Bedingungen im Einsatzgeschehen! Wobei im RTW aufgrund der erhöhten Sturzbedingungen im Fahrgastraum (Alarmfahrt mit Patient und NA) unter Putz und ohne Deckel wegen der geringeren Verletzungsgefahr zu bevorzugen ist.

Es gibt jedoch Landstriche, bei denen durch den Energieversorger nur Fu-Schutzschalter (Fehler-Spannungs-Schutzschalter) zugelassen sind! Hier ist abzuklären, ob der beschriebene Personenschutzautomat mit Fi zulässig ist. Auch muss eine entsprechende Erdung vorhanden sein! Und diese Erdung sollte optimal bzw. noch besser sein. Denn davon hängt unser Leben ab.

Und zum Schluss höre ich jetzt schon wieder einige Elektriker schimpfen: 30mA ist viel zu klein! 300mA ist besser! Da gibt es keinen Kompromiss für mich: ausschließlich 30mA oder kleiner! Jeder im Rettungsdienst Tätige kennt die Gefahr des elektrischen Stromes! Und 30mA sind kein Pappenstil, 300mA sogar todlich! Letztendlich so auch vom VDE für Badezimmer vorgeschrieben. Ich verwende privat auch lediglich 30mA-Fi´s für das ganze Haus. Die dummdreisten Sprüche von Feuchtigkeit im Keller, alte Kabel oder Waschmaschine als Begründung für einen 300mA-Fi ziehen bei mir nicht! Wenn ein 30mA-Fi auslöst, liegt ein Defekt vor!
Allerdings gibt es in der heutigen Zeit eine gravierende Einschränkung: um Störungen technischer Geräte zu vermindern, verfügen die meisten modernen Geräte heutzutage über eingebaute Netzfilter, meist vor dem Netzschalter, also immer in Betrieb! Darin befinden sich Kondensatoren, die Störspannungen zum Schutzleiter hin ableiten. Somit besteht die Gefahr, dass in einem Haushalt mit vielen High-Tech-Geräten der 30mA-Fi oft auslösen könnte! Um dieses Problem zu lösen habe ich mehrere Fi-Schutzschalter eingebaut und die Stromkreise Stockwerkweise getrennt. Somit habe ich auch in meiner privaten Funk-/Elektrowerkstatt, in der jedes Gerät ein Netzfilter hat, bisher keinerlei Problem gehabt!

 

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