Notfunk-Anhänger

Um die Wünsche der beteiligten Dienststellen/Behörden zu erfüllen, musste ein Anhänger angeschafft werden, der eigentlich sehr viele Bedingungen zu erfüllen hat. So wurde z.B. ein Blitzschutz gefordert, also kam nur ein geschlossener Metallanhänger in Frage ( Faradayscher Käfig ). Zusätzlich sollte er einem EMP der Sonne standhalten und HF-dicht sein. Alles Fragen der Kosten, denn auch die Außenanschlüsse mussten dementsprechend geschützt sein. Auch gab es ein wärmedämmtechnisches Problem, denn nicht alle Shelter können aufgrund ihres Aufbaus problemlos verwendet werden. Allerdings war man uns bei der Suche sehr behilflich, sodass schon recht bald ein entsprechender „Funkkoffer“ der Bundeswehr in der Gegend von Kassel auf uns wartete.
Allerdings musste im Vorfeld der Transport geklärt werden, von Kassel hierhin und grundsätzlich. Dafür setzten wir uns mit einem Anhängerhersteller  aus Krefeld-Hüls in Verbindung, der für seine Sonderbauten recht bekannt ist. Er brachte sich bei der Planung persönlich sehr stark ein und überlegte, wie er Gewichtssparend bauen konnte, denn das Gewicht war ein weiteres Problem.

Rohbau

Es wurde also festgelegt, dass maximal 1500kg zu ziehen sind, zuzüglich einer Stützlast von 75kg. Außerdem sollte der Anhänger ein „Hochlader“ werden, also die Räder unter dem Aufbau, und nicht seitlich daneben, denn dann hätten wir eine Breite von 250cm, eine Breite, mit der nicht jeder Fahrer zurecht kommt. Aber: durch die Räder unter dem Anhänger steht der Funkkoffer sehr hoch, der Schwerpunkt wandert nach oben! Somit wurden 10“ Räder genommen, um die Höhe gering zu halten, aber die Räder sind bei 1500kg auch an ihrer Lastgrenze!
Zusätzliche Halterungen unter dem Koffer dienen zur Aufnahme weiterer Masten und Antennen. Dank der Beteiligten kamen wir auch an die technischen Daten des Koffers, sodass der Anhängerbauer alles perfekt fertig machen konnte.

Fertig! Einen Tag vor der großen Fahrt!

Nach der TÜV-Abnahme ging’s direkt Richtung Kassel, um den Koffer abzuholen.

Ausbauteile vor Ort bei der Dienststelle!

Aber oh Schreck: der Koffer war mit Halterungen bestückt und wog 1800kg!
Also direkt an Ort und Stelle alles ausbauen, was wir (vermutlich) nicht brauchen konnten. Dabei fiel ganz zum Schluss ein etwa 300kg schwerer Drehstrom-Trenntrafo aus dem Koffer, der Hauptverursacher!

Die Rückfahrt verlief dann recht entspannt und wir erreichten nach einigen Stunden Fahrt unser Ziel.

Am Tag der Abholung wieder beim Anhängerbauer

„Schlachtfest“

Hier wurde dann erst mal alles ausgebaut, was nicht zu gebrauchen war bzw. am falschen Ort montiert war. Auf die rechte Seite kamen drei Arbeitsplätze in Leichtbauweise, zuzüglich ein kleines Regal. Jeder Arbeitsplatz erhielt 4

Schukosteckdosen, vier 12V-Steckdosen nach dem System von DARES (Grenznähe zu uns) sowie 4 Bananensteckbuchsen, unter die auch offene Kabelschuhe geklemmt werden könnten.

Arbeitstisch für drei Mann (beengt) in Leichtbauweise, hinten vor Kopf die zwei großen Lüftungen mit HF-Kaminen.

Zusätzlich erhielt jeder der drei Plätze zwei Koaxkabel, der untere Anschluß mit PL-Stecker, der obere mit N-Stecker. Auch ist für jeden Platz ein Rotorsteuergerät vorgesehen.
Alle Spannungsanschlüsse sind entsprechend abgesichert und verlaufen Steckdosenweise zur neuen Unterverteilung.

Auf der linken Seite im Bereich der Eingangstür steht ein Arbeitsplatz, der auch zum Basteln verwendet werden könnte. In der darunter befindlichen Schublade befindet sich Kleinwerkzeug und Ersatzteile. Insbesondere die Gasableiter für Koax-/Telefon- und Rotorleitungen. Auch Batterien für die weiteren technischen Geräte werden dort bevorratet.

Weiter unten stehen 4 Feldtelefone mit den entsprechenden Anschlusskästen (Nato-Brötchen).

Feldtelefone, Nato-Brötchen (rechts) und Handabroller

Als nächstes kommt dann links der Originale Batteriekasten, gefüllt mit 2 Bleigel-Akkus mit jeweils 36 Ah. Der Anhänger kann erst mal autark mit diesen Batterien betrieben werden, bis eine entsprechende Stromversorgung vorhanden ist.

Darüber ist die Stromverteilung für 230V mit den Überspannungsableitern, sowie der Verteiler für 12V und ein Anschlusskasten mit 2 Notschaltern für 12 Volt. Damit kann der Batteriesatz oder aber der Außenanschluss jeweils einpolig
abgeschaltet werden.
Zusätzliche Erdungskabel hängen über dem Batteriekasten bereit.
Anschließend kommt eine Rolle Feldkabel in einem Halterahmen. Dahinter an der Wand hängen in entsprechenden Halterungen Erdspieße, also unsere Lebensversicherung! Die Heringe für die Antennenmaste liegen ebenfalls links hinter dem Feldkabel.
Auf dem Batteriekasten stehen 2 Transportkisten. In der einen befinden sich 100 Baumhaken für den Feldkabelbau, in der anderen die Spanngurte für den 19m- Geroh-Kurbelmast, der sich auf der rechten Seite auf dem Dach befindet.
Vor Kopf liegen die Drahtgabel für den Feldkabelbau, 10 Mastteile aus GFK für verschiedene Anwendungen sowie eine T2FD-Antenne, die sich bereits für die Fielddays bewährt hat.

2 x 19m Geroh-Kurbelmast aus Aluminium

Die Arbeitsplätze auf der rechten Seite haben zusätzliche Schalldämmmatten installiert. Einmal vor Kopf, zusätzlich zum Nachbarn, damit man nicht alles hört (herausnehmbar). Jeder Platz hat eine LED Deckenlampe, die für ausreichendes Licht sorgt.
Am Eingang befinden sich auf der rechten Seite 2 Rollofächer, in denen Teile für das Fahrwerk und weitere Kleingeräte gelagert werden (DCF-Uhren, SWR-Meter, 50m Handroller Feldkabel usw.). Darunter liegen drei 20 L-Frischwasserkanister sowie ein Thermobehälter, in dem Esbitkocher, Streichhölzer, Besteck, Essensrationen usw. bevorratet werden. Auch für Toilettenpapier ist gesorgt.

Eine weitere Schwierigkeit waren die Anschlüsse nach außen. Glücklicherweise wurde uns ein Funkkoffer zugeteilt, der Unmengen an Anschlüssen bereits hatte.
Nur: wie kommt das DCF-Signal in den Anhänger? Dazu ist momentan die Technik in Arbeit. Also Aktivantenne außen an Koaxstecker anschließen und innen in den Anhänger über eine Antenne abstrahlen. Hoffentlich klappts!

Anschlüsse für 4 Arbeitsplätze als N-Buchsen

Aber es mussten viele Koaxanschlüsse nachgerüstet werden. Dafür wurden die Originalableiter von Huber & Suhner eingesetzt. Mittlerweile hat es auch einige Sammelbestellaktionen dafür durch uns gegeben, die auch durch den DARC- Notfunk-Verantwortlichen weiter gegeben wurden. Somit konnten weit über 150 Stück für einen geringen Preis weitergegeben werden.
An den Telefonanschlüssen musste nichts weiter gemacht werden. Der 230V Anschluss wurde ausgetauscht, denn der Anhänger hatte ursprünglich einen Drehstromanschluss. Hier wurde neben weiteren erforderliche Änderungen nur ein Überspannungsableiter in der Verteilung eingebaut.

Auch der 12V-Anschluss konnte verbleiben, da er den NATO-Spezifikationen entsprach.
Schwierig wurde es bei den Rotoranschlüssen. Da alle Rotore verschieden belegt sind und wir auch Verschiedene haben, entschieden wir uns dazu, jede Ader einzeln zu schützen. Dafür wurde ein Blitzschutzableiter (GDT) im Eingang verdrahtet, anschließend kam zur Entkoppelung eine Drossel. Gefolgt von einem Varistor, Drossel und Suppressordiode konnte dann die Einzelader als Leitung zum entsprechenden Arbeitsplatz gelegt werden.

Allerdings gab es noch ein weiteres Problem: die HF-und EMP-Dichtigkeit des Funkkoffers. Sie wird erreicht durch eine entsprechende umlaufende HF-Dichtung in den geschraubten Platten. Da kann man nicht ohne weiteres eine Platte ausbauen. Denn anschließend muss der Koffer zur Messung ins Labor. Auch die Tür ist entsprechend mit einer Dichtung versehen. Und die Lüftungsöffnungen verfügen über „HF-Kamine“ die wabenförmig aufgebaut sind. Auch hier äußerst penibel arbeiten und nach der „Dienstvorschrift“, die wir auch erhalten haben, alle Kontrollen durchführen!

Ein anderes Problem war die Farbe. Schickes Oliv-Grün in Tarnanstrich. Nach Rücksprache mit einem Lackierer ist aus Sicherheitsgründen die Farbe geblieben, allerdings wurden die Notfunkaufkleber entsprechend groß ausgeführt. Wen die Farbe stören sollte, darf auf seine Kosten die Lackierung übernehmen. So ist übrigens vieles in Oliv gehalten, denn es handelt sich hier um einen Kostenfaktor im weiten 5-stelligen Raum, und wäre alles neutral in der Farbe, dann hätte es locker den doppelten Preis gekostet.

Im vorderen Bereich gibt es noch 2 Antennenanschlüsse nach draußen. Die werden demnächst in Zusammenhang mit einem Filternetzwerk für Sonderanwendungen genutzt.
Übrigens: Der Funkkoffer besteht aus Aluminium und ist ringsum geschweißt. Etwa 5cm Isolierung nach innen, dann kommt wieder eine verschweißte Aluminiumplatte. Also ein sogenannter Sandwichaufbau. Außenöffnungen haben auch auf der Innenseite entsprechende Aludeckel. Der Zwischenraum wurde durch uns entsprechend gedämmt.
Und hier ein Link:    http://www.zeppelin-systeme.de/fmshelter.htm
Unser ist der FM1, also ACE 1.

Mittlerweile fast ein Jahr in unserem Besitz. Trotz umfangreicher Nutzung und guter Vorplanung sowie der Erfahrung vom Feuerwehr-Einsatzleitcontainerbau fallen gelegentlich immer wieder Sachen auf, die erweitert werden müssen.

 

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Fachfirma für Antennenkabel Dortmund