Funkversorgung in der Kanalisation

1982, während meiner Grundausbildung zum Berufsfeuerwehrmann, stand eine Einsatzübung zusammen mit einem freiwilligen Löschzug an.
Gedachte Lage: bei Inspektionsarbeiten durch das Tiefbauamt wurde der Trupp vermisst.
Ich wurde im Vorfeld befragt, ob es denn eine Möglichkeit gebe, eine Funkverbindung in dem begehbaren Kanal bereit zu stellen.
Aufgrund der extrem kurzen Zeit die ich hatte, entschied ich mich für ein Antennen-Verlängerungskabel. Also RG58-Mil C 17 Koaxkabel (Außendurchmesser etwa 5mm) sowie Antennenbuchse und Antennenstecker von zu Hause mitgebracht. Nachdem ich die Tiefe des Kanals wusste, fertigte ich ein Kabel von etwa 7m Länge an. An der einen Seite wurde die Buchse montiert, an der anderen Seite der Stecker. Grundsätzlich ist dieses Antennenkabel aufgrund seiner Dämpfungswerte im BOS-Bereich nicht zu empfehlen bzw. nicht zu verwenden. Denn zusammen mit den beiden „Endteilen“ ergibt sich ein Verlust von etwa 3dB. Bedeutet im Klartext: von dem einen Watt Sendeleistung, die aus dem Handfunkgerät herauskommen, werden lediglich 0,5 Watt an die Antenne weitergeleitet! Und das an eine Wendelantenne, die nochmals die abgestrahlte Sendeleistung drastisch vermindert!
Also wurde die Antenne durch einen Lambda/4 Strahler ersetzt. Diese Antennenform hat einen Gewinn von 0 dB, also auch keinen Verlust!
Übrigens: Lambda, Formelbuchstabe =  λ , festgelegter Wert für die Wellenlänge.
Und die ist bei unserem 2m-Band, sagen wir mal 168 MHz tatsächlich nur 1,78m. Davon ¼ (da λ/4) = 44,5cm. Jetzt gibt’s noch einen sogenannten Verkürzungsfaktor, ähhh, Schwamm drüber. Wir wollen Euch nicht zu Fachleuten machen sondern nur, dass ihr die Grundlagen habt und das auch anwenden könnt!
Also nehmen wir ganz einfach für das 2m-Band eine Antenne von etwa 50cm Länge! Genau das habe ich ungefähr gemacht.
Beim Einsatz spielte ich den Melder. Hatte mir glücklicherweise 2 HFG´s eingesteckt, da mir Befürchtungen kamen. Und genau so kams auch....
Nach Bekanntgabe der Lage ließ ich an einer Stelle, etwa mittig der Schachtlänge in einem Knick, meine Antennenverlängerung bis etwa Schachtmitte hinab. Ich hatte eine einwandfreie Verbindung zum eingesetzten Rettungstrupp. Aber: die oberirdischen Kräfte konnten keinerlei Verbindung mit mir aufnehmen! Ja nee, is klar. Konnte ja auch nicht, Antenne war ja im Kanal!  Bedingt durch das zweite HFG konnte ich dann eine menschliche Relaisstelle betreiben, alles was ich hörte, sendete ich dann mit dem anderen HFG aus. Für mich mühsam, aber der Erfolg, einen eingesetzten Trupp in einem Kanal funktechnisch zu betreuen war groß.
Dieses Antennenverlängerungskabel lag viele Jahre für den Notfall auf unserem ersten Fahrzeug.

In meiner Freizeit machte ich Jahre später Funk-Versuche zusammen mit dem Tiefbauamt. Verschiedene Frequenzbereiche wurden von uns ausprobiert, leider ohne nennenswerten Erfolg. Letztendlich blieb dieses Verlängerungskabel die einfachste, aber umständlichste  Lösung, bis ich auf andere Gedanken kam......


Dazu kam mir der Umstand zu Hilfe, dass die Verwaltungsmenschen im Kreishaus, die für unseren Relaisfunk verantwortlich sind (wieso eigentlich Verwaltungsmenschen und nicht Techniker??), nicht begreifen wollten, dass in der Innenstadt ein großes Funkloch existiert. Also musste ich nach Lösungen suchen, dieses Funkloch zu stopfen. Ich experimentierte mit passiven Funkstationen, also lediglich Anlagen, die keinerlei Technik bedürfen und auch nicht beeinflussbar sind.
Genau so etwas setzte ich dann auch für eine Kanalübung ein, die in den 90ern stattfand. Hier hatte ich genügend Vorlaufzeit, alles vorzubereiten.

Grundsätzlich besteht diese passive Anlage lediglich aus 2 Antennen. Das, was die eine Antenne empfängt wird über das Koaxkabel zur anderen Antenne fortgeleitet und dort ausgesendet. Natürlich ist der umgekehrte Weg auch möglich, und das sogar zeitgleich! Fast eine Eierlegende Wollmilchsau, wenn es nicht einige technische Probleme zu berücksichtigen gäbe. Hier sei das größte erwähnt: Verluste durch Dämpfung.
Die sind in diesem speziellen Fall aber auch nicht aufzufangen, da ich sowohl unten als auch oben eine Rundstrahlantenne verwenden muss. Ich konnte lediglich etwas Verlust durch die Verwendung von besserem Antennenkabel auffangen. Verwendet wurde dann RG213 mit einem Durchmesser von etwa 10mm. Es ist ein für BOS-Zwecke bedingt taugliches Kabel, dass bei der Installation innerhalb von Fahrzeugen verwendet wird (es gibt besseres). Um weitere Verluste der Antennen zu vermeiden, aber auch einen einfachen Transport und Aufbau zu ermöglichen, wurde ein Ende des Koaxkabels auf 50cm Länge vom Außenmantel des Koaxkabels befreit. Ein Blechdeckel eines Farbtopfes, 25cm Durchmesser, wurde mittig mit einem 8mm Loch versehen. Das Kabel wurde dort durchgesteckt und das Abschirmgeflecht am Blechdeckel verlötet. Das restliche Abschirmgeflecht wurde entfernt, sodass ein isolierter Strahler von etwa 50cm Länge aus dem Innenleiter des Kabels stehen blieb. Das war die Antenne, die in den Kanal hineingelassen wurde.

Die obere Antenne wurde als Groundplane (Rundstrahler) konstruiert.  Drei Muffen wurden zusammengeschweißt und das Abschirmgeflecht des Koaxkabel ringsum angelötet. Dem Mittelleiter wurde ein dünnes Rohr angelötet und mit Gießharz in der Mitte der Muffen eingeklebt. An die Muffen konnten drei etwa 50cm lange Rohre angeschraubt werden, deren Enden in Kunststoffrohren verklebt waren. Somit entstand ein Dreibein aus Kunststoffrohr. In Verlängerung davon dann die Rohre der Antenne.
Das Dreibein trug das Koaxkabel mit der daran hängenden Antenne, dass mittels Kabelschlaufe und Klettband auf die richtige Kanaltiefe gebracht wurde.
Die Reichweite im Kanal betrug etwa 50 m in beide Richtungen (mehr ging nicht, da dann eine Kurve kam). Oberhalb auf Straßenniveau wurden etwa 150 m Reichweite erreicht.

Zu guter Letzt noch für die vermeintlichen Fachleute ein Satz:
Nein, es handelt sich nicht um ein Antennennetzwerk! Somit ist auch keinerlei Anpassung der Antennen untereinander erforderlich! Wenn man die Antennen entsprechend dimensionieren und für einen Fußpunkt von 50 Ohm auslegen würde, hätte man eine Gleichung nach der Formel: Eingang = Ausgang!

Und noch eins: mit Tränen in den Augen durfte ich in 2001 eine Passive Relaisfunkstelle in der Nähe vom Nürburgring begutachten. Es gibt sie doch, die kommerziellen Anwender!

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